Der DPP soll Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus schaffen – von Materialzusammensetzung und CO₂-Fußabdruck bis hin zu Reparatur- und Recyclinginformationen.
Regulatorischer Status
Die Rechtsgrundlage für den DPP findet sich in der ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation), welche Juli 2024 in Kraft getreten ist, wieder. Als Rahmenverordnung wird diese zukünftig durch produktspezifische delegierte Rechtsakte für verschiedene Produktgruppen (Textilien, Eisen und Stahl sowie Aluminium, Reifen, Möbel …) ergänzt. Darüber hinaus werden weitere horizontale Anforderungen, wie z.B. das technische Abbilden des DPPs, festgelegt:

Neben der ESPR gibt es weitere EU-Regularien, die einen DPP jetzt/zukünftig erfordern, insbesondere:
- Batterie-Verordnung
- Neue Altfahrzeug-Verordnung (Entwurf)
- Verordnung über Waschmittel und Tenside
- Spielzeug-Verordnung
- …
Erste verpflichtende Anwendungen werden ab Februar 2027 im Rahmen der Batteriepässe stattfinden. Die Ausweitung auf weitere Sektoren, u.a. Textilien, Möbel, Elektronik, Bauprodukte, erfolgt schrittweise bis 2030.
Nächste Schritte für Unternehmen
Für Unternehmen liegt der Schwerpunkt inzwischen weniger auf der Frage, ob ein DPP kommt, sondern vielmehr, wie die bestehende Datenlandschaft „DPP-fähig“ gemacht werden kann.
Schritt 1: Betroffenheit & Relevanz analysieren
- Zunächst einmal sollten Unternehmen ein Verständnis darüber haben, welche ihrer Produktgruppen direkt von den DPP-Anforderungen betroffen sind, inwieweit Kunden DPP-Daten verlangen sowie welche Nachhaltigkeits- und Compliance-Anforderungen darüber hinaus aus anderen Gesetzgebungen bestehen.
Schritt 2: Dateninventur & GAP-Analyse durchführen
- Nachdem die bereitzustellenden Daten feststehen, muss ein Abgleich mit der vorhandenen Datenlage im Unternehmen stattfinden. Die identifizierten Datenlücken gilt es im Anschluss zu priorisieren sowie Datenverantwortliche festzulegen.
Schritt 3: Zielarchitektur definieren
- Neben den DPP-Inhalten spielt auch die Art und Weise der Datenübermittlung eine zentrale Rolle. Hier sollte man sich an den delegierten Rechtsakten seitens EU sowie beauftragter Gremien, wie das JTC 24, orientieren.
Schritt 4: Pilotprojekt initiieren & Lieferanten einbinden
- Empfehlenswert ist es, mit einem Teil des Produktportfolios zu starten, der ohnehin durch eine hohe Datenverfügbarkeit gekennzeichnet sowie strategisch von großer Bedeutung ist. Zudem können für die betreffende Produktgruppe bereits die jeweiligen Zulieferer betrachtet werden. Hierbei sollte festgelegt werden, welche Daten in welchem Format vorliegen müssen.
In welchen Bereichen kann tec4U-Solutions Sie jetzt/zukünftig unterstützen?
Die größte Herausforderung im Kontext DPP besteht weniger in der Technologie, sondern vielmehr in der Datenlage der Unternehmen. Einige Daten existieren bereits und müssen lediglich zusammengetragen werden. An anderen Stellen müssen Daten erst einmal beschafft werden. Hier knüpft unsere Sustainability Software DataCross an:

Für Unternehmen bedeutet dies: Der DPP sollte nicht als reines Compliance-Projekt betrachtet werden. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Verfügbarkeit, Qualität und Vernetzung von Produkt- und Lieferkettendaten.
Wer frühzeitig seine Datenlandschaft harmonisiert und Lieferanten systematisch einbindet, schafft die Grundlage für eine effiziente Umsetzung zukünftiger Anforderungen.

Gülistan Dar, Betriebswirtin (M.A.)
Gülistan Dar ist Leiterin der Abteilung Corporate Compliance bei der tec4U-Solutions GmbH, einem Anbieter von digitalen Nachhaltigkeitslösungen. Sie beschäftigt sich seit einigen Jahren, sowohl im Rahmen von Kundenprojekten, Prozessberatungen, Workshops als auch Schulungen mit dem Thema ESG. Schwerpunkte liegen hierbei auf der praxisnahen Umsetzung der Anforderungen von CSRD, VSME, Ökodesign (digitaler Produktpass) sowie der EU-Taxonomie-Verordnung. Sie ist Dozentin der TÜV-Kurse „Material Compliance Beauftragter“ und „CSRD-Beauftragter“, hält Fachvorträge und erstellt Fachbeiträge für Branchenmagazine.






